Direkt zum Inhalt springen

Helmut Schmidt

Im Rahmen des Auftrages für eine Porträtbronze des Altkanzlers Schmidt sind im Vorfeld eine Reihe Handzeichnungen in Kohle entstanden. Die gehören zum Prozess der Annäherung und Vorbereitung … weiterlesen

Im Rahmen des Auftrages für eine Porträtbronze des Altkanzlers Schmidt sind im Vorfeld eine Reihe Handzeichnungen in Kohle entstanden. Die gehören zum Prozess der Annäherung und Vorbereitung auf die dreidimensionale Arbeit.

Im Zentrum stand Schmidt während seiner Kanzlerzeit, weil das vom Auftraggeber gefordert war. Interessanter und wesentlich ausdrucksvoller finde ich den zeitgenössischen Altkanzler, dessen Charisma heute schlichtweg umwerfend ist: Ein alter Mann, der weise geworden ist und seine Gegenwart als moralische Instanz und erfahrener kluger Kopf immens bereichert. Nicht ganz frei von Eitelkeit besteht er aber als derjenige, welcher jedes Quäntchen Achtung verdient, das man ihm entgegenbringt.
Ich begegnete ihm in HH in seinem Büro im Verlagsgebäude der »Zeit«. Von da an wusste ich, dass ich einen weiteren Kopf machen werde: den alten Schmidt, wie er betagt und nimmermüde den Puls unserer Gegenwart fühlt und mit großer Klarheit seine Diagnose macht. Als ich ging, blieb in mir die Angst, als Hans-Wurst in Erinnerung geblieben zu sein. Was soll man von einem Menschen halten, der scharf auf den Hinterkopf seines Deliquenten war? Von vorn kann ich ihn tausend mal bekommen. Von hinten unmöglich. Aber eine Büste hat 3 Dimensionen! Er blieb aber gütig, als sei ich sein Enkel. Ich denke dass sein wirkliches Kind die deutsche Nation bleibt. Da sind wir alle irgendwie Kinder oder Enkel. Wir alle genießen irgendwie seine Fürsorge, solange er denken kann. Ich wünsche uns, daß sein Vorhang noch lange nicht fällt.