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Für Georg Trakl

Bernd Streiter stieß auf die expressionistische Lyrik Georg Trakls und war von der metaphorischen Bilderwelt dieses Salzburger Apothekergehilfen ergriffen. weiterlesen

Die tragische Biographie des Dichters scheint leibhaftig in seinen Texten anwesend zu sein: »Dein Leib ist eine Hyazinthe,/In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht./Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,//Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt/Und langsam die schweren Lider senkt./Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,//Das letzte Gold verfallener Sterne.« So steht es in dem Gedicht »An den Knaben Elis«, das Bernd Streiter seiner dem Dichter gewidmeten Mappe von 16 Radierungen als Prolog vorangestellt hat.

Georg Trakls Thema ist Morbidität, die Weltende-Stimmung des dekadenten, schillernden Verfalls. Er ästhetisiert und sublimiert diese Stimmung der Bohème des frühen 20. Jahrhunderts, lässt aber die unsicher-optimistische und zaghafte Ahnung eines schönen, lichten Neuen hier und da aufkeimen. So nimmt man in seinen Werken eine Fülle unterschiedlichster Farben wahr, die der Dichter wie eine metaphorische Klaviatur zu nutzen versteht und die eine bildlich-assoziative Darstellung nahezu herauszufordern scheint. Es ist aufschlussreich, dass Bernd Streiter gerade im turbulenten Verlauf des Jahres 1989 an seinem Trakl-Zyklus arbeitete, kurz nachdem Franz Fühmann den Dichter Trakl in seinem Essay »Vor Feuerschlünden« als seinen wichtigen geistigen Begleiter durch die Tristesse der DDR-Geschichte beschrieb.

Die Radierungen »Für Georg Trakl« sind unverkäuflich.